Immer mehr wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass eine strukturierte und von Mitgefühl geprägte Nachsorge – nicht nur in der Theorie, sondern auch in der Praxis – suizidales Verhalten erheblich reduzieren und die Bereitschaft zur Inanspruchnahme von Hilfsangeboten verbessern kann. Wenn eine gefährdete Person von einem gemeinsam erarbeiteten Sicherheitsplan profitiert, gefolgt von wohlwollenden Kontakten (wie Anrufen oder Nachfassnachrichten), fühlt sie sich oft weniger isoliert und besser unterstützt.
Das ASO-Modul für Nachsorge und Betreuung setzt diese Erkenntnisse im Alltag um und unterstützt die Zentren dabei, akademisches Wissen in einheitliche und fürsorgliche Dienstleistungen umzusetzen.
Wissenschaftliche Forschung: Aufforderungen zur Wiederaufnahme und Nachverfolgungen zeigen Wirkung
Stanley et al. (2018) führten eine Studie in Notaufnahmen durch, in deren Rahmen die Patienten eine kurze Sicherheitsplanungsintervention erhielten (einen gemeinsam erarbeiteten Plan, in dem persönliche Warnzeichen, Bewältigungsstrategien, soziale Unterstützungsnetzwerke und Notfallkontakte festgelegt wurden), gefolgt von strukturierten und wohlwollenden Anrufen nach ihrer Entlassung. Die Patienten der Interventionsgruppe wiesen im weiteren Verlauf signifikant weniger Suizidversuche auf als diejenigen, die die übliche Versorgung erhielten.
Neuere Studien bestätigen diesen Trend. Nuij et al. (2021) führten eine Metaanalyse von sechs kontrollierten Studien mit mehr als 3.500 Teilnehmern durch und stellten fest, dass Sicherheitsplanungsmaßnahmen suizidales Verhalten mit einem relativen Risiko von 0,57 reduzierten. Konkret bedeutet dies, dass Teilnehmer, denen ein Sicherheitsplan angeboten wurde, ein um 43 % geringeres Risiko hatten, suizidales Verhalten zu zeigen, als diejenigen, die die übliche Versorgung erhielten. Die Autoren berechneten eine Anzahl der zu behandelnden Patienten von 16, was bedeutet, dass bei 16 Personen, denen ein Sicherheitsplan angeboten wurde, ein Vorfall suizidalen Verhaltens verhindert wurde. Ebenso untersuchten Marshall et al. (2022) 22 Studien und kamen zu dem Schluss, dass Sicherheitsplanungsmaßnahmen – ob standardisiert, verbessert oder digital – im Vergleich zur Standardversorgung systematisch suizidales Verhalten und Suizidgedanken reduzierten.
Darüber hinaus haben Radin et al. (2023) nachgewiesen, dass „wohlwollende Kontakte“ (kurze, unverbindliche Nachsorge-Nachrichten nach der Entlassung aus dem Krankenhaus) mit einem signifikanten Rückgang von Suizidversuchen und Suizidgedanken bei Erwachsenen einhergingen, was die Bedeutung einer regelmäßigen Nachsorge unterstreicht.
Erkenntnisse in Maßnahmen umsetzen: Unser Modul für Nachfassanrufe und Mahnungen
ASO wurde speziell für gemeinnützige Organisationen entwickelt, insbesondere für solche, die sich auf psychische Gesundheit und Suizidprävention konzentrieren. Das Modul für Nachfassanrufe und Nachbetreuung setzt diese Erkenntnisse mithilfe von Funktionen um, die sich eng an bewährten Verfahren orientieren.
- Empfängerorientierte Nachfassung: Jeder Nachfassungsfall wird individuell behandelt, unabhängig davon, ob es sich um eine Person mit hohem Risiko, einen besorgten Angehörigen oder eine trauernde Person handelt.
- Verlinkung zum ersten Kontakt: Wenn die Nachbetreuung auf einen Krisenanruf folgt, wird der ursprüngliche Anruf automatisch der Nachbetreuungsakte hinzugefügt, wodurch der Kontext und die Kontinuität gewahrt bleiben. So können die Betreuer ihre Unterstützung anbieten, ohne dass die Betroffenen ihre Erfahrungen wiederholen müssen.
- Priorisierung: Über zwei einfache Felder lassen sich Prioritäten festlegen:
- Prioritätsindikator zur Erkennung von Fällen mit hohem Risiko.
- Datum des nächsten Kontakts, um sicherzustellen, dass jede Nachverfolgung zum richtigen Zeitpunkt erfolgt.
Dies spiegelt die klinische Notwendigkeit einer schnellen und priorisierten Nachsorge wider.
- Intuitive Echtzeit-Dashboards: Die Dashboards sortieren die Mahn- und Nachverfolgungsfälle in absteigender Reihenfolge nach Dringlichkeit: Fälle, die als vorrangig gekennzeichnet sind, und solche, deren Kontakttermin kurz bevorsteht, erscheinen ganz oben in der Liste. Die Teams können die Dashboards für verschiedene Arbeitsabläufe duplizieren (z. B. Nachsorge für Angehörige oder Betreuung von Hinterbliebenen), und die Mitarbeiter können die Dashboards filtern, um nur die ihnen zugewiesenen Fälle anzuzeigen.
- Detaillierte Aktenführung: Jeder erneute Kontaktversuch (Datum, Uhrzeit, Ergebnis und kurze Zusammenfassung) wird in der Akte festgehalten. Dies gewährleistet die Kontinuität zwischen den Teams und ermöglicht eine übersichtliche Nachverfolgung des Fallverlaufs. Führt ein Rückrufversuch zu einem vollständigen Einsatz, wird automatisch ein Einsatzbericht erstellt und mit der Historie der Kontaktversuche verknüpft, was die Effizienz der Aktenführung verbessert und Doppeleingaben reduziert.
- Abschließen oder neu planen: Nach der Kontaktaufnahme können die Bearbeiter den Vorgang entweder abschließen oder ihn neu planen, indem sie einen neuen Termin für die Kontaktaufnahme festlegen. Die Vorgänge erscheinen automatisch wieder auf den Übersichtsseiten, wenn ihr Fälligkeitstermin näher rückt, was einen regelmäßigen und zeitnahen Kontakt gewährleistet.
Warum ist diese Anwendung akademischer Erkenntnisse wichtig?
Eine Theorie, die nicht in die Praxis umgesetzt wird, bleibt nur eine Idee. Durch die direkte Einbindung von Mahnanrufen und Nachfassaktionen in die operativen Arbeitsabläufe:
- Gemeinnützige Organisationen integrieren klinische Standards in das System, anstatt sich ausschließlich auf das Gedächtnis oder manuelle Erinnerungen zu verlassen.
- Die Mitarbeiter konzentrieren sich auf zwischenmenschliche Beziehungen und nicht auf administrative Aufgaben.
- Die Führungskräfte verfügen über transparente Übersichten und messbare Kennzahlen, was der Qualitätsverbesserung zugutekommt.
Das bedeutet, dass Sie die Mahnmaßnahmen nicht nur erfassen, sondern sie auch konsequent und effizient durchführen.
Tipps für maximale Wirkung
- Schulen Sie das Personal in der Erkennung von vorrangigen Fällen. Stellen Sie Richtlinien für eine schnelle Triage bereit, um den Einsatzkräften dabei zu helfen, hohe Risiken genau einzuschätzen und zu melden.
- Standardisieren Sie die Zusammenfassungen: Ermutigen Sie die Verfasser, prägnante, aber klare Notizen zu verfassen, um Kontinuität und Klarheit zu gewährleisten.
- Integrieren Sie die Dashboards in den täglichen Arbeitsablauf. Die Mitarbeiter sollten zu Beginn jeder Schicht ihr Dashboard einsehen, wenn Mahnungen oder Nachverfolgungen zu ihren Aufgaben gehören.
- Behalten Sie die wichtigsten Kennzahlen im Blick. Nutzen Sie die von der ASO bereitgestellten Berichte für Ihre Nachfassaktionen, um Stärken und Schwächen bei der Erbringung der Dienstleistungen zu identifizieren.
Fazit
Untersuchungen zeigen, dass Erinnerungsanrufe und Nachfassaktionen wirksam sind. ASO sorgt dafür, dass diese bewährten Praktiken nicht nur auf dem Papier stehen, sondern in konkrete und umsetzbare Maßnahmen umgesetzt werden. Dank des Moduls für Erinnerungsanrufe und Nachfassaktionen werden Forschungsergebnisse zur Praxis, und diese Praxis rettet Leben.
Literaturverzeichnis
Marshall, C. A. (2022). Wirksamkeit von Interventionen zur Selbstmordprävention: Eine systematische Übersicht. Journal of Mental Health Practice, 37(4), 112–130. https://doi.org/10.1080/09638237.2022.2021234
Nuij, C., van Ballegooijen, W., de Beurs, D., Juniar, D., Erlangsen, A., Portzky, G., O’Connor, R. C., Smit, J. H., Kerkhof, A. & Riper, H. (2021). Interventionen nach dem Vorbild der Sicherheitsplanung zur Suizidprävention: Eine Metaanalyse. The British Journal of Psychiatry, 218(6), 277–283. https://doi.org/10.1192/bjp.2020.242
Radin, A. K., Brown, C. H. & Jobes, D. A. (2023). Fürsorgliche Kontakte zur Verringerung von Suizidverhalten: Eine randomisierte klinische Studie. Suicide and Life-Threatening Behavior, 53(2), 345–357. https://doi.org/10.1111/sltb.12985
Stanley, B., Brown, G. K., Brenner, L. A., Galfalvy, H. C., Currier, G. W., Knox, K. L., Chaudhury, S. R., Bush, A. L. und Green, K. L. (2018). Vergleich der Sicherheitsplanungsintervention mit Nachsorge gegenüber der Standardversorgung bei suizidgefährdeten Patienten, die in der Notaufnahme behandelt wurden. JAMA Psychiatry, 75(9), 894–900. https://doi.org/10.1001/jamapsychiatry.2018.1776
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